Leipziger Zeitung, 17.01.2026,
Aus der Rezension zum Buch „Kegel Ripertus, ein Leben im 13. Jahrhundert“:
„Wie war es wirklich, im 13. Jahrhundert in der Leipziger Region zu leben und eigentlich keine Rechte zu besitzen, ganz unten in der gesellschaftlichen Hierarchie zu stehen – so wie Ripert, der Sohn eines Pfarrers. … Ein echtes Thema für Joachim Oelßner, der das Mittelalter eben nicht mit Rittern und Turnieren glorifiziert. … Es ist zwar ein Roman, den Joachim Oelßner geschrieben hat - aber er rankt sich um unzählige belegte Ereignisse, die damals tatsächlich stattfanden. … Oelßner schildert sehr anschaulich und in immer neuen Konflikten, was es für Ripertus bedeutet, immer wieder als Kegel bezeichnet zu werden. … Oelßner nimmt seine Leser also mit in eine Zeitepoche, die voller markanter Ereignisse war, … Die Leser werden im Buch ein Stück jener Landschaft entdecken, die damals das Gebiet rechts und links der Saale prägte. … Aber da Ripertus zum Gehilfen eines Vogts wird, lernt man auch gleich die Verwaltungsstrukturen der damaligen Dörfer kennen und die Konflikte zwischen den alteingesessenen slawischen Bauern und den neuen Siedlern aus Sachsen, Franken, Schwaben usw., die sich alle miteinander arrangieren mussten … Stoff für jede Menge Auseinandersetzungen. Aber es erinnert eben auch an die Herkunft der heutigen Bewohner dieser Region, die sich oft gar nicht mehr an diese vielfältige Herkunft ihrer Vorfahren erinnern."
Ralf Julke
Alles in allem ein sehr gelungenes Buch!
Ich habe das Buch in 4 Tagen gelesen, man will es nicht mehr aus der Hand legen! Es liest sich gut und ist lebhaft geschrieben. Die Anzahl der Protagonisten ist übersichtlich und leicht zu verfolgen. Die Charaktere sind stringent, ihre Entwicklung interessant und gut herausgearbeitet. Der Spannungsbogen wird stets hochgehalten.
Die Rahmenbedingungen des Romans sind verständlich erklärt und für den Leser erkenntnisreich. Dazu gehören das Zusammenleben der Sorben mit deutschsprachigen Gruppen, besonders ihre unterschiedlichen Kulturen und Religionen, die Auseinandersetzungen innerhalb der christlichen Religion, Intoleranz und Dünkel bei den Giebichensteiner Grafensöhnen – zugleich Toleranz und Pragmatismus bei den Vögten sowie das Einbinden von Rechtsfragen in die Handlung.
Die allgemeinen Entwicklungen in dieser Zeit sind genau beschrieben, sowohl die Fortschritte als auch die Unzulänglichkeiten. Dazu gehören die städtische Entwicklung, das Aufkommen der Schriftlichkeit, der Anstieg der Bevölkerungszahlen sowie die Steigerung landwirtschaftlicher Erträge dank Nutzung des von Pferden gezogenen eisernen Pfluges.
Der Anhang ist übersichtlich und sinnvoll, genauso wie der Prolog und die Nachbemerkungen. Wünschenswert wäre jedoch ein Inhaltsverzeichnis am Anfang des Buches.
Dr. Dietrich Fischer, Eichwalde
Ein sehr lesenswerter und gelungener historischer Roman!
Mit seinem neuesten historischen Roman "KEGEL RIPERTUS, ein Leben im 13. Jahrhundert" gelingt dem Autor eine spannende und detailreiche Darstellung des Zusammenlebens der Menschen. Im Mittelpunkt steht Kegel RIPERTUS, unehelicher Sohn eines Dorfpfarrers aus Spören (Sachsen-Anhalt). Nach der damaligen Rechtsauffassung befand er sich auf der untersten Stufe der gesellschaftlichen Rangordnung. In der Region östlich der Saale lebten Sorben, Juden und Zuwanderer aus Sachsen, Schwaben oder Franken, was nicht immer konfliktfrei war.
Bereits 2017 hatte der Autor mit dem umfangreichen Roman „Was soll vergrabenes Gold?“ das Mittelalter in und um Leipzig mit seinen Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen sozialen Schichten als eine Zeit des Wandels und sich ändernder Sichtweisen, neuer Rechtsnormen und der Einführung der Schriftlichkeit charakterisiert. In vieler Hinsicht wird daran angeknüpft.
Es ist hervorzuheben, dass das Mittelalter mit seinen Ritterspielen oder Burgen nicht klischeehaft dargestellt oder verherrlicht wird. Die allgegenwärtige Härte, Abhängigkeit und Machtlosigkeit gegenüber Herrschenden und Kirche werden sehr dezidiert beschrieben. Dabei bedient sich der Autor einer eher zurückhaltenden Erzählweise und lässt den Leser an den jeweiligen Denk- und Verhaltensweisen der Hauptfiguren teilhaben.
Auch werden viele bekannt gebliebene historische Ereignisse oder Fakten dem Leser in Erinnerung gerufen, wodurch die Geschichten glaubwürdig und gut nachvollziehbar sind.
Durch das Erlernen der Schreib- und Rechtskunde, unterstützt von seinem Vater, sowie dank seiner Persönlichkeit gelingt es Ripertus, sich aus seiner unterprivilegierten Position hochzuarbeiten. Sowohl durch seine nicht standesgemäße Heirat mit der charmanten Uta als auch infolge seiner Tätigkeit als Verwalter von zwei Dörfern gerät er zunehmend mit den Herrschenden in Konflikte. Schließlich muss er um seine nackte Existenz kämpfen. Auf seinem Lebensweg zeigen sich die krassen Ungerechtigkeiten dieser Zeit.
Der Roman ist auch deshalb sehr aktuell und empfehlenswert, weil zahlreiche Fragen nach sozialer Gerechtigkeit, Machtausübung und Gestaltung zwischenmenschlicher Beziehungen aufgeworfen werden, wie sie bereits vor 800 Jahren bestanden. Alles in allem ein sehr lesenswerter und gelungener historischer Roman mit sehr viel Qualität und Tiefgang sowie Bezügen zu einer ganzen Reihe von gesellschaftlichen Konflikten unserer heutigen Zeit!
Das Buch ist richtig gut.
Maria Weber, Eisenhüttenstadt